netcup Netzwerk-Architektur (AS197540), 2-TB-Fair-Use-Regel & Linux BBR Tuning

Wichtige Fakten auf einen Blick
  • Anexia Backbone (AS197540): Redundantes europäisches und globales Glasfasernetz mit Top-Peering an DE-CIX, VIX, SwissIX und AMS-IX
  • Port-Geschwindigkeit: Root-Server bieten 2,5 Gbit/s Ports, VPS-Tarife 1 Gbit/s Ports inklusive statischer IPv4 und eigenem /64 IPv6-Subnetz
  • 2 TB / 24h Fair-Use-Regel: Bei über 2 TB Outbound-Traffic in 24 Stunden erfolgt eine temporäre Drosselung auf 200 Mbit/s ohne Zusatzkosten
  • Automatische Entdrosselung: Sobald das gleitende 24-Stunden-Volumen wieder unter 2 TB fällt, steht sofort wieder die volle Port-Bandbreite bereit
  • Kernel-Tuning: TCP BBR (fq + bbr) und 64 MB TCP-Buffer vervielfachen die Single-Thread-Performance auf Transatlantik- und Interkontinental-Routen
Inhaltsverzeichnis9 Abschnitte

Bei der Auswahl eines Root-Servers oder VPS für Produktivsysteme ist die Netzwerkqualität ebenso entscheidend wie CPU-Kerne und NVMe-IOPS. Viele Administratoren lesen auf der netcup Produktseite „2,5 Gbit/s Netzwerkkarte“ und „Traffic: kostenlos / unbegrenzt“ und möchten genau wissen, wie das Peering im DACH-Raum aufgebaut ist und wann die Fair-Use-Begrenzung greift.

Dieser Artikel beleuchtet das Anexia-Backbone (AS197540), erklärt die 2-TB-Fair-Use-Traffic-Regel im Detail und liefert eine praxiserprobte sysctl-Konfiguration für Linux TCP BBR unter Debian 12 und Ubuntu 24.04.


1. Backbone-Architektur & DACH-Peering (AS197540)#

netcup betreibt kein einfaches Reseller-Netzwerk, sondern ist vollständig in das weltweite Carrier-Backbone der Muttergesellschaft Anexia (AS197540 / AS34225) integriert:

Direkte Hochgeschwindigkeits-Peerings am DE-CIX Frankfurt (dem größten Internetknoten Europas), VIX Wien, SwissIX Zürich, AMS-IX Amsterdam, LINX London sowie Equinix Ashburn & Singapur.


2. Routing-Qualität in Deutschland, Österreich, der Schweiz & International#

1. DACH-Region (Telekom, Vodafone, 1&1, A1, Init7, Swisscom)#

2. Transatlantik (Nord- & Südamerika) & Asien-Pazifik#


3. Die 2-TB-Fair-Use-Traffic-Regel transparent erklärt#

In allen aktuellen VPS- und Root-Server-Tarifen (Generation G12.5) ist der Datentransfer kostenlos und unbegrenzt (Unmetered) enthalten. Um das Netzwerk vor Dauerüberlastung durch einzelne Power-User zu schützen, gilt in den Nutzungsbedingungen eine klar definierte Fair-Use-Regel:

Wie funktioniert die Drosselung?#

Überschreitet ein einzelner Server innerhalb eines gleitenden 24-Stunden-Zeitraums (Rolling Window) 2 TB ausgehenden Traffic (Outbound), wird die Port-Bandbreite automatisch und vorübergehend auf 200 Mbit/s gedrosselt.

Sobald Ihr ausgehendes Traffic-Volumen der letzten 24 Stunden wieder unter die 2-TB-Marke sinkt, hebt das System die Drosselung vollautomatisch wieder auf, und Ihnen stehen wieder die vollen 1 Gbit/s (VPS) bzw. 2,5 Gbit/s (Root-Server) zur Verfügung.

Klassische Webserver, Online-Shops, SaaS-Anwendungen, Nextcloud-Instanzen, Mailserver (Mailcow), Game-Server und tägliche verschlüsselte Offsite-Backups (Restic / BorgBackup) erreichen das Limit von 2 TB pro Tag im Normalbetrieb nie.


4. Produktives Linux Kernel-Tuning: TCP BBR + High-BDP Socket-Buffer#

Standardmäßig nutzen viele Linux-Distributionen den klassischen Congestion-Control-Algorithmus cubic sowie konservative TCP-Puffergrößen. Auf Strecken mit höherer Latenz (z. B. Europa in die USA oder nach Asien sowie bei Mobilfunk-Clients mit leichtem Paketverlust) bricht der Single-Thread-Durchsatz unter cubic schnell ein.

Durch die Aktivierung von Google TCP BBR (fq + bbr) und die Vergrößerung der TCP-Socket-Buffer auf bis zu 64 MB schöpfen Sie 1-Gbit/s- und 2,5-Gbit/s-Ports auch über große Distanzen voll aus.

Optimale sysctl-Konfiguration anwenden (Debian 12 / Ubuntu 24.04)#

Führen Sie folgenden Block als root über SSH aus:

cat << 'EOF' > /etc/sysctl.d/99-network-bbr.conf
# Fair Queueing Packet Scheduler & Google BBR Congestion Control aktivieren
net.core.default_qdisc = fq
net.ipv4.tcp_congestion_control = bbr

# TCP-Buffer für 1G / 2.5G Ports & internationale High-BDP-Strecken auf bis zu 64 MB erhöhen
net.core.rmem_max = 67108864
net.core.wmem_max = 67108864
net.core.rmem_default = 65536
net.core.wmem_default = 65536
net.ipv4.tcp_rmem = 4096 87380 67108864
net.ipv4.tcp_wmem = 4096 65536 67108864

# Moderne TCP-Erweiterungen & TCP Fast Open aktivieren
net.ipv4.tcp_window_scaling = 1
net.ipv4.tcp_timestamps = 1
net.ipv4.tcp_sack = 1
net.ipv4.tcp_fastopen = 3

# Verbindungs-Queues für stark frequentierte Web- und Reverse-Proxy-Server optimieren
net.core.somaxconn = 8192
net.ipv4.tcp_max_syn_backlog = 8192
net.ipv4.tcp_max_tw_buckets = 2000000
net.ipv4.tcp_fin_timeout = 15
EOF

# Einstellungen sofort ohne Neustart übernehmen
sysctl --system

Status überprüfen#

# Aktiven Congestion-Control-Algorithmus prüfen (Ausgabe muss "bbr" lauten)
sysctl net.ipv4.tcp_congestion_control

# Aktive Queueing Discipline prüfen (Ausgabe muss "fq" lauten)
sysctl net.core.default_qdisc

# Geladenes Kernel-Modul verifizieren
lsmod | grep bbr

Nach dieser Optimierung steigt der Single-Stream-Durchsatz bei internationalen Transfers, SFTP/Restic-Backups und großen Downloads oft um den Faktor 2 bis 5!

Netzwerk-ArchitekturAS197540Fair-Use 2TBLinux BBRDACH Peering